Tod während des Scheidungsverfahrens

Dies kommt in der Praxis leider immer mal wieder vor - so auch in einem aktuellen Fall des Bundesgerichtshofes. Stirbt ein Ehegatte während des Scheidungsverfahrens, kann das Verfahren nicht beendet werden. Der Überlebende ist dann Witwer oder Witwe – also nicht geschieden. Dies kann für die Rente aber auch noch für das Erbrecht einen erheblichen Unterschied machen. Eine Witwenrente liegt oft über dem, was über den bei Scheidung durchzuführenden Versorgungsausgleich zugesprochen werden würde. Im Einzelfall kann sogar trotz eingereichter Scheidung das volle Erbrecht erhalten bleiben.

Der Bundesgerichtshof hat in der am 18.11.2010 veröffentlichten Entscheidung vom 27.10.2010 (Az.: XII ZB 136/09) eine Sonderkonstellation entschieden. Was passiert, wenn ein Ehegatte im Berufungsverfahren stirbt?

Im entschiedenen Fall hatte die Ehefrau die Scheidung beantragt, war aber dann mit den Entscheidungen des Familiengerichts zu den mit der Scheidung zusammen entschiedenen Fragen von Zugewinnausgleich, Versorgungsausgleich und Hausratsverteilung nicht einverstanden und legte Berufung ein, wobei sie in der Berufungsbegründung nur Ausführungen zu diesen drei strittigen Punkten machte. Nun starb der Ehemann nach Ablauf der Berufungsfrist und die Ehefrau wollte lieber den Status der Witwe – mit entsprechenden Rentenvorteilen – erhalten als den der geschieden Frau. Sie bestand auf Feststellung, dass die Ehe noch nicht rechtskräftig geschieden gewesen sei.

Das OLG Hamm und der Bundesgerichtshof in letzter Instanz haben dies zurückgewiesen. Die Scheidung wurde mit Ablauf der Berufungsfrist rechtskräftig, auch wenn das nur zwei Wochen vor Tod des Ehemannes war. Dass die Ehefrau wegen der mit der Scheidung zusammen entschiedenen Fragen in die Berufung gegangen war, reichte nicht aus, da sie gegen die Scheidung selbst nicht vorgegangen ist und nicht einmal ihren eigenen Scheidungsantrag zurückgenommen hat.

Share |
Gernot Wolter
Gernot Wolter
Fachanwalt für Familienrecht und Rechtsanwalt
Hamburg

Kontakt

Die Kontaktaufnahme ist unverbindlich. Mit dem Absenden des Formulars entstehen keine Kosten.
Rechtsanwälte Scharf & Wolter
Herr Gernot Wolter
Fuhlsbüttler Straße 118
22305 Hamburg
Weitere Beiträge von Gernot Wolter
In einem gerade veröffentlichten Beschluss (BGH, Beschluss vom 21. März 2012 - XII ZB 147/10) hat der Bundesgerichtshof festgehalten, dass es auch...
Das OLG Schleswig hat die Rechtsprechung zur Auskunftserteilung (hier Zugewinnausgleich) erheblich erweitert (12 UF 224/11, Entscheidung vom 30.1....
Regelmäßig sind Mandanten erstaunt darüber, mit welcher Härte Familiengerichte den Anspruch auf Mindestunterhalt minderjähriger Kinder durchsetzen....
Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat heute mitgeteilt, dass es zum 1.1.2012 keine neue Düsseldorfer Tabelle geben wird. Da sich das steuerliche...
Und wieder hat der Bundesgerichtshof eine Entscheidung verweigert. In der jetzt veröffentlichen Entscheidung vom 26.10.2011 (XII ZR 162/09) wurde mal...
Es kommt zum Glück nicht so häufig vor. Aber wenn der vereinbarte Umgang mit dem Kind, das beim anderen Elternteil lebt, vom betreuenden Elternteil...
Immer wieder lassen sich auch Eheleute scheiden, die beide schon Rente beziehen. Zunächst mal wird der Ausgleich der in der Ehezeit angesammelten...
Am Freitag, dem 11.2.2011 hat das Bundesverfassungsgericht die inzwischen in der Gerichtspraxis seit 2,5 Jahren verwendete...
In einer heute veröffentlichten Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH XII ZR 83/08) vom 12.1.2011 war darüber zu urteilen, ob ein Rentner, der...
In einer gestern veröffentlichten Entscheidung hat der Bundesgerichtshof u.a. zum Verhältnis von Zugewinnausgleich und Hausratsverteilung nach dem...